Der Anteil der mobilen Internetnutzung steigt noch immer deutlich an, doch die Surferfahrung ist für viele Nutzer selbst bei für Smartphones optimierten Webseiten oft eher noch frustrierend. Die will das AMP Project ändern, das Ende Februar nach einer Betaphase endgültig an den Start ging. Dazu soll AMP (Accelerated Mobile Pages) durch ein angepasstes HTML, die Reduktion von CSS und JavaScript und einem CDN (Content Delivery Network) vor allem die Ladezeit optimieren.

AMP wurde als Open Source konzipiert, federführend steckt jedoch Google hinter dem Projekt. Schon in der Betaphase waren international bekannte Zeitungen wie die Washington Post, El Pais, der Guardian oder die deutsche Zeit beteiligt. Auch der Kurznachrichtendienst Twitter ist beteiligt, während Facebook in der langen Liste von Unterstützern fehlt. Was durchaus auch daran liegen könnte, dass Google mittels AMP-Seiten der Meinung vieler Experten nach, einen erfolgsversprechenden Angriff auf die Instant Artikel des sozialen Netzwerkes startet.

Google bietet weltweit Server als Cache an

Die Ähnlichkeit zu Facebooks Instant Artikel dürfte vor allem in der Anzeige der AMP-Suchergebnissen bei Google liegen. Diese werden nämlich in einem Karussell als erstes auf der Ergebnisseite angezeigt und ermöglichen es dem User per Wischen von einer Vorschau zur nächsten zu wechseln. Für diese Anzeige werden Inhalte bereits geladen, bevor die eigentliche Seite aufgerufen wird. Auch das generell Vorladen ist an sich nicht neu, wird aber bei AMP intelligenter als bisher geregelt. Bei einer AMP-Seite werden das Gerüst und der Text vorgeladen, Bilder, Videos oder Anzeigen werden nach einer Wahrscheinlichkeit geladen, nach der der Nutzer sie sehen wird. Liest dieser eine AMP-Seite, wird der Content von oben nach unten und entsprechend priorisiert nachgeladen.

Zwar hosten die Anbieter auch ihre AMP-Seiten samt Zusatzcontent selbst, Google bietet jedoch an die Inhalte auf eigenen Servern zu cachen. Auch dadurch kann die Ladezeit noch einmal spürbar verbessert werden, da Google Server weltweit betreibt und es etwa einen Unterschied macht, ob ein User von Berlin aus auf eine deutsche Tageszeitung zugreift oder doch durch die Straßen von Santiago de Chile spaziert, während er auf dem Smartphone nach Nachrichten aus der Heimat sucht.

Aus HTML wird AMP HTML

Wer selbst AMP-Seiten erstellen will, muss dafür AMP HTML nutzen. Die entsprechenden Spezifikationen haben die Macher auf Github für jeden freizugänglich gemacht. Dort wird beispielsweise auch gezeigt, wie eine Anzeige eingebunden wird:

<amp-ad width=“300″ height=“250″
type=“a9″ data-aax_size=“300×250″
data-aax_pubname=“test123″
data-aax_src=“302″>
</amp-ad>

Die neuen Tags sind einfach zu erkennen, ihnen wird das Wörtchen „amp“ vorangestellt, entsprechende Tags lauten sie z.B. <amp-img> oder <amp-audio>. Interessant ist an diesem Beispiel auch die Größenangabe, die bei eingebundenen Anzeigen, aber auch Bildern oder Videos verpflichtend ist. Das wirkt zwar mit Blick auf responsive Webdesign erst ein wenig merkwürdig, ist aber deshalb unerlässlich, da bei AMP-Seiten wie gesagt einige Inhalte vorgeladen werden. Dazu zählt eben auch das Seitengerüst. Auf diese Weise wird auch der Effekt verhindert, dass sich der Aufbau der Seite verändert, wenn etwa ein Bild oberhalb der Stelle nachgeladen wird, die der User gerade liest. Eine Übersicht welche Markups für AMP-Seiten verpflichtend sind, oder welche Tags, z.B. <embeded> oder <frame>, nicht erlaubt sind, findet man ebenfalls bei Github.

WordPress stellt ein AMP Plug-In zur Verfügung

Am AMP Project war unteranderem auch WordPress beteiligt, weshalb es für Nutzer des Content Management Systems bereits zum Start ein Plug-In gibt. Nach der Installation stellt das Plug-In beim Aufruf etwa durch die Googlesuche eine AMP-Version zur Verfügung. In der URL wird diese Seite unter der zusätzlichen Kategorie /amp/ aufgerufen. Allerdings wird derzeit nur eine AMP-Version von Beiträgen angezeigt, nicht von Seiten oder Archiven.

Wie wirkt sich AMP auf SEO aus?

Fällt der Name Google, fällt in der Regel auch das Schlagwort SEO. Ob AMP-optimierte Seiten bei der Suche bevorzugt werden, bleibt natürlich Geheimnis des Google-Algorithmus. Dass die generelle Optimierung für Mobilgeräte aber längst einer der vielen Rankingfaktoren ist, dürfte wenig umstritten sein. Durch die prominente Darstellung in den Suchergebnissen dürften AMP-Seiten aber von vornherein einen großen Vorteil gegenüber anderen, weiter unten angezeigten Suchtreffern haben. Sie sind nicht nur userfreundlicher aufgebaut, sondern nehmen auch den größten Teil des Sichtfeldes des Users ein. Zu nicht optimierten Suchergebnissen muss er dagegen in der Regel erst einmal scrollen. Egal ob oder wie stark AMP also beim Ranking innerhalb der Suchergebnisse eine Rolle spielt, man sollte nicht darauf verzichten. Und auch dann, wenn man nicht im Nachrichtengeschäft ist. Zwar scheint der Schwerpunkt des von Google vorangetriebenen Projektes beim Thema News zu liegen, von einer verbesserten Performance auf Smartphones können aber natürlich genauso auch Online-Shops und andere Webseiten profitieren. Das gilt ebenso in der Darstellung der Suchergebnisse bei Google, die am Ende gerade in der ersten Zeit den entscheidenden Vorteil bringen können.

Zusammengefasst klingt das Versprechen der Macher, eine AMP optimierte Seite würde bis zu vier Mal so schnell laden wie eine übliche Mobileseite einfach zu verlockende, um die neue Technik nicht einzusetzen. Immerhin ist der Trend zur mobilen Internetnutzung bei weitem noch nicht gestoppt, und die Geduld mit sich aufbauenden Seiten ist bei den meisten Nutzern schon nach drei Sekunden beendet.