Im Jahre 2013 feierte die Google-Suche ihr 15-jährges Bestehen. Das nahm der Suchmaschinenriese zum Anlass, seinem Such-Algorithmus eine umfassende Überarbeitung zu spendieren: Das Google Hummingbird Update. Was genau sich hinter dem „Kolibri“ verbirgt und welche Folgen das für die weltweite Suche hatte, erklären wir euch im folgenden Artikel. Dazu werfen wir erst mal einen kurzen Blick auf den Suchalgorithmus.

Was ist der Suchalgorithmus?

Der Suchalgorithmus ist das „Rezept“, das Google anwendet, um Milliarden von Seiten im Internet zu durchsuchen, Informationen aufzufinden, zu bewerten und daraus die besten Suchergebnisse zu einer bestimmten Suchanfrage auszuspielen. Wie genau jedoch dieser Algorithmus aussieht, das ist und bleibt wohl Googles bestgehütetes Geheimnis. Genauso wie die hunderte von Ranking-Faktoren, die Google nutzt, um Relevanz und Qualität einer Webseite zu bewerten.

Was sind Algorithmus-Updates?

Natürlich ist Google bemüht, die Qualität seines Suchindexes zu bewahren und konstant zu optimieren. Deswegen wird der Algorithmus immer wieder angepasst, um die Qualität der Suchergebnisse konstant zu verbessern und dem User immer relevantere Informationen zu präsentieren. Diese Algorithmus-Änderungen werden in Form von kleineren und größeren Updates regelmäßig auf allen Suchmärkten der Welt ausgespielt. Diese Google-Updates betreffen oftmals unterschiedliche Rankingfaktoren und haben verschiedene Optimierungen im Sinn, weswegen sie auch unterschiedlich starke Auswirkungen auf das Ranking einer Webseite haben können.

Laut Matt Cutts, Head of Googles Webspam Team, gab es im Laufe des Jahres 2012 sagenhafte 665 Änderungen alleine schon am Ranking-Algorithmus, der ein Teil des Such-Algorithmus darstellt. Das sind jedoch oftmals auch nur kleinere Veränderungen, die keine tiefgreifenden Auswirkungen mit sich bringen – zumindest keine, die für die Mehrheit der Webseitenbetreiber sichtbar wäre.

Nur, wenn ein Update veröffentlicht wird, das höchstwahrscheinlich große Auswirkungen auf das Ranking vieler Webseiten haben wird, werden die Webmaster durch Google informiert, und zwar am Tag, an dem die Änderung am Algorithmus veröffentlich wird (auch „Rollout“ genannt). Größere und bekannte Updates, die unter Webmastern für größere Unruhen gesorgt hatten, sind beispielsweise das Penguin-Update oder das Panda-Update.

Im Jahre 2010 gab es das Google-Caffeine Update, das ebenfalls eine recht wichtige Änderung am Such-Algorithmus darstellte – allerdings nicht ganz so umfangreich wie das Hummingbird-Update. Beim Caffeine-Update ging es hauptsächlich darum, schneller Informationen indexieren, also Webseiten oder Unterseiten schneller in den Google Index (und somit in die Suchergebnisse) bringen zu können. Es ging jedoch nicht um die Relevanz der Informationen und die Verbesserung der Qualität an sich. Man geht davon aus, dass die letzte tiefgreifende Änderung am Algorithmus das letzte Mal in 2001 stattfand.

Was macht das Goolge Hummingbird Update so besonders?

Im Jahre 2013 kam Hummingbird. Im Gegensatz zu den Updates wie Panda oder Penguin ist Hummingbird keine Veränderung des Ranking-Algorithmus, sondern ein gänzlich überarbeiteter Such-Algorithmus. Während der Ranking-Algorithmus lediglich ein Teil des Such-Algorithmus darstellt, ist der Such-Algorithmus selbst die Grundlage der Google Suche. Mit Hummingbird folgte eine neue Generation des Such-Algorithmus, und der Kolibri betrifft mittlerweile so gut wie alle Suchanfragen weltweit. Am 26.09.2013 wurde diese umfassende Überarbeitung bekanntgegeben – da war Hummingbird jedoch bereits seit August 2013 aktiv. Der Kodename Hummingbird (Kolibri) ist übrigens eine Anspielung auf die Auswirkungen von Hummingbird: Schnell und präzise, eben wie ein Kolibri, sollen die Suchergebnisse präsentiert werden.

Was war das Ziel von Hummingbird?

So gut wie jedes Update hat es letzten Endes zum Ziel, entweder den Umfang, meistens jedoch auch die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern. Das Hummingbird-Update setzt da bei der Interpretation der Such-Anfragen der User an: Der überarbeitete Such-Algorithmus soll in der Lage sein, Suchanfragen als Ganzes besser zu interpretieren.
Zusammengenommen spielen hier besonders zwei Faktoren die Hauptrolle: Zum einen die Intention des Users und seiner Suchanfrage im Gesamtzusammenhang, zum anderen die Intention und Ausrichtung eines gesamten Dokumentes (bis hin zu einer Webseite).

Es geht also nicht mehr (nur) darum, nach einzelnen Wörtern der Suchanfrage zu suchen und Webseiten als Suchergebnisse zu präsentieren, die diese Worte beinhalten. Sondern es geht darum, den Gesamtzusammenhang und die Bedeutung des Satzes oder der Phrase, nach der gegoogelt wird, zu interpretieren, zu verstehen, und Suchergebnisse zu präsentieren, die diesem Kontext am besten entsprechen.

Conversational Search und die Bedeutung von Hummingbird

Besonders deutlich wird dies im Zusammenhang mit der sogenannten „Conversational Search“, hier kündigte Google enorme Verbesserungen durch das Update an. Bei der “Conversational Search” geht es um Google-Suchen, die mittels Spracherkennung durchgeführt werden und die nicht nur aus mehr oder weniger losen Wörtern (z.B. „Google Nexus kaufen“ ), sondern aus ganzen Sätzen bestehen können – wie in der gesprochenen Sprache eben. Ein User fragt z.B. seine Suchmaschine über die Sprachsteuerung: „Wo in der Nähe meines Wohnortes kann ich das neue Google Nexus kaufen?“ Früher hat sich die Suchmaschine darauf fokussiert, Treffer für die wichtigsten Wörter zu finden, also zum Beispiel eine Webseite, in der besonders häufig die Begriffe „Nexus“ und „kaufen“ vorkommen.

Mit dem Hummingbird-Update des Such-Algorithmus kann sich dieser nun jedoch auch auf die Bedeutung hinter den Wörtern und den Gesamtzusammenhang konzentrieren: Die Suchmaschine weiß vielleicht, wo der Wohnort liegt (falls der User diese Information freigegeben hat). Sie kann möglicherweise sogar interpretieren, dass mit „Wo“ ein Geschäft gemeint ist, und dass „Google Nexus“ ein ganz bestimmtes elektronisches Gerät ist. Somit werden die Suchergebnisse, die die Suchmaschine anschließend ausgibt, weitaus besser sein als diejenigen Ergebnisse, die ausgespielt werden, wenn die Suchmaschine nur nach Übereinstimmungen der einzelnen Wörter sucht. Nach dem Hummingbird-Update konzentriert sich die Suchmaschine also auf jedes Wort in der Suchanfrage eines Users. Somit wird der ganze Satz, oder vielleicht sogar auch eine komplette Unterhaltung berücksichtigt, und es werden die Webseiten besser gerankt, die der Bedeutung der Anfrage am Besten entsprechen – und nicht nur die, bei denen ‚einfach nur‘ die Worte übereinstimmen.

Wie gut hat Hummingbird funktioniert?

Das lässt sich nur schwer beantworten. Nachdem das Update ausgerollt war, konnte Goolge keine Vorher-Nachher-Vergleiche mehr anstellen. Nach Aussagen von Google hat Hummingbird die Suche natürlich verbessert. Vereinzelt finden sich auch Vorher-Nachher-Beispiele, die Goolge selbst zur Illustration heranzieht – nachprüfen kann man diese natürlich nicht mehr. Ein Beispiel: Hat man laut Google vor dem Update nach „Das Bezahlen von Rechnungen über Citizens Bank und Trust Bank“ gesucht, so hätte die Suche nur die allgemeine Webseite der Citizens Bank angezeigt. Nach dem Update kam man angeblich direkt zu der Seite, auf welcher es um das Bezahlen von Rechnungen geht.

Insgesamt hat das Update die Suchergebnisse jedoch schon ganz schön durcheinandergewirbelt. Nach Aussagen von Googles VP Software Engineer, Amit Singhal, betrifft Hummingbird über 90% aller Suchanfragen weltweit.

Hat Hummingbird Auswirkungen auf das SEO?

Ja – und nein. Google teilte nach dem Hummingbird-Update mit, dass es für Webseitenbetreiber oder SEOs nicht’s Neues gibt. Klar dürfte jedoch sein, dass mit Hummingbird beispielsweise das reine Keyword-Stuffing noch sinnloser geworden sein dürfte. Die Grundlagen, die sowieso jeder SEO mittlerweile im Schlaf beherrschen sollte, bleiben jedoch die gleichen: Qualitativ hochwertiger und uniquer Content sollte das Herzstück einer jeden Webseite bilden. Dazu kommen die üblichen Signale wie bspw. Backlinkstruktur, Verweildauer, Seitenladezeit, URL-Struktur usw, die alle auch nach wie vor wichtig sind und es auch bleiben werden.

Und wann kommt das nächste Update?

Genauso wie Google ein Geheimnis um seinen Algorithmus macht, so hält es sich ebenfalls recht bedeckt, was die Änderungen an eben diesem Algorithmus angeht. Wann, wie und warum welche Änderungen an den Suchergebnisseiten oder den Ranking-Faktoren auftauchen, das wird man wohl nie wirklich nachvollziehen können.