Die Suchmaschinenoptimierung wird von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Längst sind die Tage gezählt, in denen es ausreichte, ein wenig Onpageoptimierung und Linkbuilding zu betreiben. Google arbeitet auf Hochdruck an Neuerungen und optimiert ständig seinen Algorithmus. Betreiber von Webseiten können sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, wenn sie weiterhin in den vorderen Suchergebnissen auftauchen möchten.

Das Jahr 2016 bringt viele Neuerungen mit sich, die in diesem Artikel vorgestellt werden. Webseitenbetreiber können sich an den Trends, Faktoren und Vorhersagen orientieren und für ihre Projekte umsetzen.

Der User spielt bei der Suchmaschinenoptimierung die größte Rolle

Beim Thema SEO ist immer wieder von Google die Rede. Kein Wunder, mit einer Marktpräsenz von über 90 Prozent in Deutschland genießt das Unternehmen mit seiner Dienstleistung ganz klar ein Monopol. Für viele Webseiten bringt Google den größten Anteil an Besuchern und Umsätzen zustande.

Google selbst weist immer wieder darauf hin, dass bei der Suchmaschinenoptimierung der User die zentrale Zielgruppe darstellt. Es sollte nicht im Interesse des Webseitenbetreibers liegen, kaum lesbaren Content zu erstellen, der schwer verständlich ist, nur um irgendwelche Keywords unterzubringen.

Im Jahr 2016 ändert sich an der zentralen Zielgruppe nichts. Jeder Content muss auf die jeweilige Zielgruppe, also dem Leser, abgestimmt werden. Webseitenbetreiber sollten weniger auf ihre eigenen Geschmäcker achten, sondern die Meinung Dritter miteinbeziehen.

Mobile-SEO: Spezieller Content für mobile User

Ein bereits 2015 deutlich erkennbarer Trend wird in diesem Jahr weiter an Fahrt gewinnen. Google zeigte Betreibern von Webseiten seine Marktdominanz mit einem simplen Update (Mobilegeddon): Webseiten, die nicht für mobile Endgeräte optimiert sind, haben viele Positionen in den SERPs verloren. 2015 haben viele Betreiber optimiert: Ihre Webseite ist nun responsiv oder sie bieten eine separate mobile Seite an.

Die Wichtigkeit von Mobile-SEO wird 2016 größer als im Vorjahr sein. Bereits Mitte 2015 überholten die mobilen Suchanfragen jene von stationären Geräten in zehn Ländern, darunter die USA und Japan.

Eine für mobile Geräte optimierte Webseite sollten die meisten Betreiber bereits besitzen. 2016 liegt der Fokus nicht auf deren Erstellung – es sei denn, man besitzt sie noch nicht – sondern auf die Kreation von speziellem Content für Smartphones und Tablets. Branchenexperten weisen immer wieder darauf hin, dass die User dieser Geräte andere Ansprüche an eine Webseite und ihren Content haben als Desktopnutzer.

Mobileuser haben auch ein anderes Suchverhalten. In der Vergangenheit hat sich bereits ein Trend zu sogenannten W-Fragen entwickelt. Durch Spracherkennungssoftware wie Siri von Apple, Cortana von Microsoft und Google Now könnte es in diesem Bereich Änderungen geben, die das Mobile-SEO beeinflussen.

Local-SEO: Lokale Geschäfte und Dienstleistungen auf dem Vormarsch

Google begann 2014 eine Studie, um das Verhalten bei der Suche nach lokalen Dingen zu verstehen. Laut der Studie nutzen vier von fünf Verbraucher Suchmaschinen, um lokale Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen zu finden. Die Verbraucher gaben an, lokale Suchergebnisse zu bevorzugen. Besonders interessant ist das folgende Ergebnisse: Jeder zweite Verbraucher besuchte das gefundene Geschäft innerhalb eines Tages.

Die Erkenntnisse der Studie verarbeitet Google inzwischen in den Algorithmen für seine Suchmaschine. User können beispielsweise nach sushi in Berlin suchen und erhalten die entsprechenden Ergebnisse.

Unternehmen können von dem Service profitieren, indem sie in ihrem Google-My-Business-Account alle Daten zu ihrer Firma eintragen. Verbraucher, die über Google den Firmeneintrag aufrufen, erhalten alle notwendigen Informationen: Adresse mit Lokalisierung auf einer Karte, Telefonnummer, Webseite, Öffnungszeiten. Diese Daten bringen einen Vorteil bei der Lead-Conversion mit sich, da Verbraucher die Daten erhalten, bevor sie die eigentliche Webseite besuchen.

Neue Domainendungen: Eine Chance, sich von der Masse abzuheben

Das Jahr 2015 brachte viele neue Domainendungen mit sich, von denen Betreiber von Webseiten profitieren können. Nun gibt es spezielle Stadtdomains, zum Beispiel .berlin, aber auch Domains, die Dienstleistungen beschreiben.

Diese neuen Domains könnten 2016 in Kombination mit Local-SEO eine große Rolle spielen. Google gab in einem Blogpost bekannt, dass die neuen Domains keinen Rankingvorteil gegenüber anderen Topleveldomains bringen werden. Einer Analyse von searchmetrics zufolge sieht es etwas anders aus. .berlin-Domains rankten im Schnitt eine Position höher als die Konkurrenz, wenn die Suche in der deutschen Hauptstadt durchgeführt wird.

Derzeit liegt der Anteil der gTLDs bei google.de bei unter einem Prozent. Die beliebteste deutsche gTLD ist derzeit .berlin, gefolgt von .koeln und .bayern. Eine beliebte, nicht-lokale gTLD ist .kaufen.

Nun fragen sich Webseitenbetreiber, ob sich eine gTLD lohnt. Das hängt von dem individuellen Szenarium ab:

  1. Ein Umzug von einer gut funktionierenden .de-Domain auf eine gTLD nicht sinnvoll ist. Der Umzug ist nicht nur mit viel Aufwand verbunden, auch der Traffic kann eine Zeit lang abnehmen.
  2. Wenn man mit seiner Webseite unzufrieden ist und die Performance schwankt, ist der Umzug auf eine gTLD einen Versuch wert.
  3. Für neue Webseiten gilt dasselbe wie für das zweite Szenario. Wenn die .de- und .com-Domain vergeben sind, dann sind gTLDs sinnvoll.

Leider sind die neuen Domains den meisten Verbrauchern unbekannt. Aktuell kann das negative Auswirkungen auf die SERP-Clickraten haben. In Zukunft könnte sich der Nachteil zu einem Vorteil entwickeln.

Interaktiver Content: Infografiken reichen nicht länger aus

Im vergangenen Jahr wurden viele neue Contentarten verwendet: Infografiken, Videos, Tutorials. In diesem Jahr wird der Content interaktiv. Eine Form des interaktiven Contents ist das Quiz. Die Fragen erfreuen sich großer Beliebtheit und steigern das Engagement der Nutzer.

Im Jahr 2016 dreht sich alles um die Miteinbeziehung des Nutzers in die Webseite. Seine Interaktion lässt ihn Teil der Webseite werden und gibt ihm das Gefühl, zu einer großen Gemeinschaft zu gehören.

Webseitenbetreiber müssen das Rad nicht immer neu erfinden. Es gibt bereits Content, der interaktiv gestaltet werden kann. Die beliebten Infografiken sind eine Contentform, die mit wenig Aufwand interaktiv werden kann. Es handelt sich nicht um statische Grafiken, an denen der User herunterscrollt. Stattdessen können moderne Webtechnologien genutzt werden, um die Infografiken zu animieren und zum Leben zu erwecken. Als Inspiration kann diese Infografik von Bloomberg dienen, die 2013 den Information is Beautiful Award erhalten hat.

Weitere Beispiele für interaktiven Content:

  • Quiz: Der Vorteil dieser Contentform ist die Möglichkeit, Informationen (über den User) zu sammeln. Webseitenbetreiber können ihre Zielgruppe genauer definieren und diese Informationen für die Vermarktung verwenden.
  • eBooks: Apple macht es mit den iBooks vor. Interaktive Bücher sollten in der digitalen Welt zum Standard gehören. In der Praxis sind sie leider die Ausnahme. Inzwischen gibt es Tools, mit denen Webseitenbetreiber interaktive eBooks erstellen können.
  • Videos: Auch Videos können interaktiv sein, obwohl sie in ihrer klassischen Form sehr statisch sind. Interaktive Videos können Usern die Möglichkeit geben, Teil des Videos zu werden, anstatt es nur anzusehen. Sie können Elemente anklicken und bestimmte Szenarien auslösen.

Geschwindigkeit: Ladezeiten gering halten

Der Einfluss von Ladezeiten auf eine Webseite wird seit Jahren vernachlässigt. Dabei ist die Ladezeit seit geraumer Zeit ein Rankingfaktor, wie Google im Jahr 2010 verdeutlichte. 2016 wird er noch bedeutender werden. Einerseits möchten Verbraucher nicht länger als eine Sekunde warten, bis ihnen die Seite angezeigt wird. Andererseits surfen viele von ihnen mit mobilen Geräten. Schlecht optimierte Webseiten laden auf diesen Geräten noch langsamer als auf einem Desktop.

Die Ladezeit einer Webseite wird von vielen Faktoren beeinflusst: Das verwendete CMS, der Server, die Anzahl an Plug-ins, und vieles mehr. Klare Empfehlungen sind aus diesem Grund schwer auszusprechen. Es gibt jedoch Maßnahmen, die in diesem Jahr jeder Webseitenbetreiber nutzen kann:

  • CDN: CDN ist die Abkürzung für Content Delivery Network. Es stellt im Grunde sicher, dass wichtige Inhalte einer Webseite von einem zum Besucher der Webseite nahe gelegenen Server abgerufen werden. Die Webseite lädt für den User schneller, als wenn er alle Inhalte von dem tatsächlichen Server abrufen müsste. Ein CDN ist nicht länger nur für internationale Webseiten wichtig, sondern jedes Portal im Internet – unabhängig von seiner Größe.
  • Bildgrößen: Die hochauflösenden Displays setzen genauso hochauflösende Bilder voraus. Je höher die Auflösung eines Bildes, desto größer ist die Datei. Aus diesem Grund ist es wichtiger denn je, Bilder korrekt zu komprimieren. Es gibt Dienste, die die Komprimierung automatisch durchführen. Für kleine Projekte lohnt sich die manuelle Komprimierung mit Encodern wie PNGOUT und MozJPEG.
  • Komprimierung: Bilder sind nicht die einzigen Inhalte, die komprimiert werden können. Server können zahlreiche Dokumente komprimieren, zum Beispiel im Format GZIP.

Einige Webseitenbetreiber sollten sich in diesem Jahr auch alternative CMS ansehen. Zwar hat sich WordPress beinahe zu einem Branchenstandard entwickelt. Es gibt viele Alternativen, die weitaus schneller und effektiver arbeiten. Sogenannte Flat-File-CMS kommen komplett ohne Datenbanken aus und generieren aus Textdateien den notwendigen Content. Das Resultat sind besonders kleine, effektive Webseiten, die schnell laden.

Zum Testen der Geschwindigkeit der Webseite greift Google Betreiber unter die Arme, indem das Unternehmen den Service PageSpeed Insights anbietet. Das Tool analysiert eine Webseite und gibt zwei Bewertungen (maximal 100 Punkte) für den Bereich Mobile und Desktop an. Zusätzlich liefert PageSpeed Insights Informationen und Hinweise, welche Probleme eine Seite hat und wie diese zu lösen sind.

Content bleibt King: Gute Inhalte sind Gold wert

Die Art der Inhalte alleine ist kein Garant für den Erfolg einer Webseite. Keine Webseite wird langfristig erfolgreich sein, weil sie ein paar schöne Infografiken anbietet. Die Qualität der Inhalte ist und bleibt entscheidend.

Im letzten Jahr war ein Trend zu WDF*IDF-optimierten Texten zu erkennen. Die Formel gibt an, in welcher Anzahl Keywords der bestplatzierten Webseiten in deren Inhalten vorkommen. Das Problem der Formel ist, dass Konkurrenten versuchen, die Webseiten zu imitieren, anstatt hochwertige Alternativen anzubieten.

Guter Content im Jahr 2016 ist keine Imitation bestehender Inhalte. Am 15.12.2015 sagte John Mueller von Google, dass die Qualität weiterhin eine Rolle spielt.

But past that, of course, high quality content is something I’d focus on.
John Mueller

Qualität bedeutet aber nicht einfach Imitation, denn dort hört der Mehrwert für den User auf. Benutzer müssen eine große Auswahl an differenzierten Content haben und sich für den besten entscheiden. Diese Entscheidung fällt Usern schwer, wenn alle Inhalte einander ähnlich erscheinen. Betreiber von Webseiten erkennen guten Content daran, wenn die Besucher ihrer Webseite spät abspringen, also ihre Bouncerate gering ist.

Fazit: Langfristig planen und aufbauen

Betreiber von Webseiten stehen in diesem Jahr vor erneuten Herausforderungen, um sich in den ersten Positionen der Suchergebnisse zu positionieren. Wie immer müssen sie entscheiden, welche Maßnahmen zu ihrer Zielgruppe und Webseite sowie ihrem Budget passen.

Jedes Jahr gibt es neue Trends im Bereich Suchmaschinenoptimierung. Einige von ihnen sind von kurzer Natur, weil sie darauf aus sind, kurzfristige Resultate zu erzielen. Wer seine Arbeit reduzieren und langfristig erfolgreich sein möchte, der optimiert seine Webseiten für die Zukunft. Google sagt immer wieder: Webseiten müssen für den Nutzer optimiert werden. Aus diesem Grund empfehlen wir auch nur SEO-Trends, die das Nutzererlebnis verbessern.